Lachen im Portrait

Lachen im Portrait

Schon besser. Aber kann die Person für ein zu malendes Portrait auch ein fröhliches Lachen zeigen oder sollte es eher ein neutraler Gesichtsausdruck sein?

Was gegen das Lachen im Portrait spricht

Abgesehen von der Tatsache, dass es in früheren Jahrhunderten mühsam gewesen wäre, stundenlang lachend oder auch nur lächelnd still zu sitzen, wollte man sich erhaben, majestätisch oder autoritär präsentieren. Portraitiert zu werden war für die Menschen ein bedeutsamer Moment. Der Auftraggeber des Künstlers wollte ein Werk für sich selbst und die Nachwelt erschaffen, das sein Selbstbewusstsein, seinen Stolz und seine Würde herausstellt.

Eine große Mehrheit der Portraits alter Meister in den Museen gehört in die Kategorie der nichtlachenden Menschen. Lediglich das sehr verhaltene Lächeln der Mona Lisa hat es zur berühmten Ausnahme gebracht.

Andererseits

Jeder möchte als freundlich, aufgeschlossen und zugänglich wahrgenommen werden, egal ob als Privat- oder Geschäftsperson. Das ist verständlich, aber das universell-joviale „Zähne zeigen“ bedient mehr den Zeitgeist als das wahre Interesse des Modells, nämlich in der Gesamtheit seiner Persönlichkeit erfasst und dargestellt zu werden. Dafür ist eine verhaltene Freundlichkeit besser geeignet.

Nicht Lachen bedeutet noch lange nicht, traurig oder gar mürrisch zu sein. Es zeigt nur eine andere, nämlich würdevollere Seite einer Persönlichkeit.

Die alltäglichen Zeitgeistfotos mögen für das Familienalbum oder Instagram wertvoll sein, aber für ein gemaltes Portrait ist der Zwanghaftigkeit eines „Bitte recht freundlich“ etwas entgegenzusetzen, das der Persönlichkeit des Modells gerechter wird. Das Gemälde sollte sich abheben von der alltäglichen Bilderflut, in der es von ewig lachenden Werbeschönheiten nur so wimmelt oder von Fotos privater Ereignisse, auf denen lachende Menschen ganze Computerfestplatten füllen.

Übrigens: Der britische Designer und Künstler Olly Gibbs hat die Gesichts-Morph-App FaceApp auf klassische Kunst im Museum angewendet und damit auf die ernsten Portraits klassischer Künstler ein Lachen gebracht. Hier geht es zum Artikel auf futurezone.de. Ich jedenfalls, habe mich bei meinem Selbstportrait gegen Zähne zeigen entschieden.

Lachen im Portrait – Einzelbild
Zwei Fotos, zwei Wirkungen. Das erste würde ich zu werblichen Zwecken nehmen, das zweite als Vorlage für ein Gemälde. Alle Fotos: Jens Schierenbeck, Studio Gleis11

Lösung

Die Portraitmalerei konkurriert nicht mit der Fotografie. Beides sind eigenständige Kunstrichtungen mit eigenen Standards. Darum muss man beide unterschiedlich bewerten. Die Fotografie als Mittel, um wertvolle Augenblicke festzuhalten – das gemalte Portrait eher als Denkmal. Das Foto erfasst die Situation, das Gemälde die Persönlichkeit. Beides sind gleichwertige Möglichkeiten, die unterschiedlichen Aspekte eines Charakters zu zeigen. Für das Gemälde sollte es aber heißen: Zeigen Sie Ihren Stolz, nicht Ihre Zähne!

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